Freimaurerei

Der Bund der Freimaurer im „Josephinischen“ Wien

In Wien fasst die Freimaurerei mit ihrer ersten „Loge“, der bereits der Vater von Joseph II, Franz von Lothringen angehörte, 1742 Fuß. Als Ausgangspositionen spielen hierbei Regensburg, Breslau und Dresden und vor allem Berlin als die große „National-Mutterloge“ eine wichtige Rolle . Die politischen Spannungen zwischen dem Habsburgerreich unter Kaiserin Maria Theresia und den Preußen machen eine Entwicklung auf österreichischen Boden bis um 1776 unmöglich. Erst ab 1776 werden die Wiener Logen der Freimaurer als Provinzialloge zusammengefasst. Unter der Alleinherrschaft Joseph II, dessen Reformbewegungen in deutlicher Weise mit den Gedanken der humanitären und aufgeklärten Freimaurerei Konform gehen, erlebt diese Strömung einen deutlichen Aufschwung.

1784 wird eine österreichische Landesloge in vollständiger Unabhängigkeit von Berlin gegründet. An der Logenarbeit beteiligen sich die höchsten Staatsbeamten und die überzeugtesten Anhänger der Reformpolitik des Kaisers. Der Kaiser selbst ist jedoch derart rationalistisch eingestellt, dass er sich mit der zweifellos wohl meinenden Arbeit in größter Toleranz, in Verbindung mit Ritualen und symbolischer Arbeit öffentlich nicht einlassen konnte. Außerdem ist die Loge in einer Art Geheimbund organisiert, dessen Mitglieder zu strenger Verschwiegenheit verpflichtet waren, wenngleich es mit der Verschwiegenheit nicht immer weit her war.

Der Kaiser bleibt nach außen hin der regierende und oberste Souverän. So bleibt der Orden der Freimaurerei ein nach außen gewahrtes Geheimnis, aber ein Politikum ersten Ranges. Im Absolutistischen Staat des 18. Jhdt. Blühen mehrere Geheimgesellschaften. Die Freimaurergesellschaften mit ihren verschiedenen Ausprägungen stellen nur die bekannteste und weitverbreitetste Geheimorganisation dar, welche mit ihren sehr allgemein gehaltenen Humanitätsgedanken alle kritischen und freigeistigen Intellektuellen dieser Zeit in ihren Bann zieht. Es agierte eine freie Gemeinschaft von Gleichen unter Gleichen. Eine Art Brüderlichkeit wird propagiert, die sich auf jede andere Loge freundschaftlich überträgt. Verlässliche Anlaufstellen auf Reisen boten Weitverbreiteten Schutz.

Wichtig ist zu bemerken, dass die Logengeheimnisse mit dem Staat oder dem Kaiser als Staatssouverän nichts zu tun hatten. Sie beziehen sich lediglich auf das Ritual und seine Überlieferung. Das freimaurerische Geheimnis war nur durch das Versprechen der Verschwiegenheit geschützt. Somit war es ein Leichtes alles zu erfahren, was man erfahren wollte. Auch Wolfgang Amadeus Mozart hat sich leicht darüber informieren können, zumal er vor seinem Beitritt sogar in Untermiete bei dem Verleger der Wiener Zeitschrift „Der Spion von Wien“, Johann Thomas Edler von Trattnern, selbst ein Freimaurer, lebte.

Durch das Gelöbnis der Verschwiegenheit sind der Bund der Freimaurer wie ein Staat im Staate, mit besonders großem Einfluss, wenngleich sich ihre Tätigkeit jeder Einmischung in die Staatsangelegenheiten enthalten sollte. Ganz einfach war das nicht, da sich im Bund sowohl Gemeinsamkeiten, aber auch entgegengesetzte Interessen vereinigten, von Mitgliedern, die aus unteren und mittleren, bürgerlichen und adeligen Schichten kamen. Ihr aller gemeinsames Schicksal war es in den bestehenden Einrichtungen des absolutistischen Staat keinen zureichenden Platz zufinden. So entwickelt sich eine Institutionalisierung im Hintergrund, deren politische Kraft sich aber nicht offen entfalten konnte. So werden sie zu indirekten politischen „Gewalten“. Im Gegensatz zum Pyramidalen Staatsaufbau des Absolutismus steht nun der Gleichheits-Charakter der Freimaurer - Brüder. Eine Aufhebung jeglicher Rang- und Herkunftsunterschiede. Das politische Selbstbewusstsein entwickelt sich soweit, dass die Logengesellschaft sich bald als eigener Staat definiert, mit einer eigenen Verfassung und als Demokratie deklariert. Inhaltlich geht es vor allem um die Umsetzung von Begriffen wie Humanität, Toleranz und Wohltätigkeit. Nur Männer durften als Mitgleidr der Logen fungieren. Frauen waren zwar über Themen dr Freimaurer informiert, doch waren sie von den Freimaurerritualen ausgeschlossen. Sie hatten lediglich bei den festichen Anlässen Zutritt. Sie tragen zu derartigen Anlässen sogar Schmuck mit Freimaurersymbolen, bekommen von den Logenbrüdern weiße handschuhe geschenkt und schenkten diesen wiederum Stickereien mit maurischen Zeichen.

<B>Mozart tritt der Loge der Freimaurerei bei </P>

Im Haus des Barons Moser in der Landskrongasse residieren die Freimaurer in Wien bereits seit 1782. Ein ganzes Stockwerk war gemietet. Dieses Logenlokal teilte sich in mehrere Logen, die sich anteilsmäßig an der Miete beteiligen. Mozart tritt der Loge mit großem Ernst bei. Weder Hoffen auf persönliche Vorteile, Gründe gesellschaftlicher Opportunität, noch eine Anpassung an die vielen Freunde, Modeströmung waren Motive für seinen Beitritt. Er ist überzeugt von der Möglichkeit eine „Verbesserung des Menschengeschlechtes“ durch Selbstvervollkommnung. Er sieht das Gedankengut der Freimaurer als Möglichkeit einer Schulung seiner selbst im Sinne von praktizierender Humanität und Toleranz. Außerdem ist er davon überzeugt, sich im Kreise einer „aufklärerisch“ denkenden Gesellschaft von Wissenschaftlern, Künstlern, Schriftstellern, Medizinern, aber auch Verwaltungsbeamten der Josephinischen Regierung wohl zu fühlen. In seinem letzten Brief an seinen Vater Leopold Mozart am 4. April 1787 beschreibt Mozart sein Empfinden diesem Vereinigung gegenüber mit größtem Gefühl von Dankbarkeit, da er hier für sein Leben neue Wege sehe. Leopold Mozart war ebenfalls als Freimaurer nicht unbekannt.

Einzelheiten über Mozarts Logenbeitritt sind nicht bekannt, nur der Zeitpunkt, nämlich der 14. Dezember 1784. In Wien gibt es zu dieser Zeit etwa 600 bis 800 Freimaurer der dortigen Logen; fast alle stammen aus der gutsituierten bürgerlichen Schicht oder aus dem Adel. In Mozarts Bekanntenkreis gibt es viele Freimaurer der verschiedensten Richtungen. Mozart ist geradezu umstellt von Mitgliedern der Freimauerer. So war zum Beispiel jeder vierte Subscribent der drei Konzerte, die Mozart im März 1784 im Trattnerhof gibt, nachweislich Logenmitglied. Erstaunlich ist daher sein relativ später Beitritt. Er fand den Weg in die Loge „Zur Wohltätigkeit“, gegründet 1783, obwohl die Loge „Zur wahren Eintracht“ als Loge der Gelehrten und Schriftsteller bekannt war, der auch Joseph Haydn angehörte. Mozart führte seinen Vater, als dieser im März 1785 Wien besuchte, in seine Loge ein. Auch in Salzburg gab es seit 1783 eine Loge, die in enger Verbindung mit den Münchner Logen stand.

Mozart interessierte sich sehr für jegliche politischen Veränderungen. Sein wacher Instinkt für gesellschaftliche Vorgänge bewies er auch der Freimaurerei gegenüber. Er unterstützt die Loge mit seine musikalische Mitteln. Die musikalische Ausgestaltung der Logensitzungen spielte eine große Rolle. So entsteht als erstes ein Lied zur „Gesellenreise“ KV 471, die bei einer festlichen Tafelloge mit 84 Personen aufgeführt wird. Der Qanlaß war ein Nutarwissenschaftlicher. Die Logenfeier ist als demonstrativer Akt gegen den spekulativen bzw. alchimistischen Umgang mit den Metallen zu sehen. Ein gewisser Born hat nämlich eine neue „Amalgamationsmethode zur Scheidung der Metalle2 entwickelt, die die Kosten im Berg- und Hüttenwesen drastisch senkte. Joseph II führt sie in den Erblanden ein.

Mozart entwickelt sich zum Hauskomponisten seiner Loge. 1785 entstehen mehrere Lieder, im Herbst die Maurerrische Trauermusik KV 477 zu Ehren des Todes zweier Logenbrüder.

Gedruckte Einladungen, die sich im Logenkonvolut der Polizeiakten erhalten haben bestätigen weitere Aktivitäten Mozarts innerhalb der Loge. Mozart spiel in einem sehr umfangreichen Programm ein Klavierkonzert am 15. Dezember 1785 zur Unterstützung von zwei Musikern, die in Not geraten waren.

1788 erscheinen im Rahmen der „Neuen Kinderbibliothek“ des Wiener Taubstummen-Instituts eine reihe von Liedern dieser Zeit, die im engen Zusammenhang zur Freimaurerei zu sehen sind. Bei dem Wiener Taubstummen-Institut handelt es sich zwar um eine kaiserliche Einrichtung, doch ist hier sichtbar, dass Freimaurer das Institut mit Freundesgaben, deren Erlös als Spende gedacht war, unterstützten.

De große Aufschwung der Freimaurerei fand aber 1785 ein jehes ende, als Kaiser Joseph II Mitte Dezember das Freimaurerpatent heraus gibt. Wie ein Donnerschlag trifft dieser Erlaß die Mitglieder, da der Kaiser sich bisher nicht sonderlichfür das Logenwesen interressierte. Plötzlich bestand die Angst, daß die Versammlungen für Religion, Ordnung und Sitten verderblich seien. Außerdem bezeichnete der Kaiser den Bund wörtlich als „Gaukeley“. Obwohl der Kaiser von der positiven Arbeit des Ordens in Sachen Nächstenliebe, Armutshilfe und Erziehung überzeugt war nimmt er einige Schutzmaßnahmen vor, die für den Bund wesentliche Einschränkungen bedeuteten. Der kaiser wollte die Logen stärker kontrollieren. So untersagt er ihnen die Bildung von Logen auf dem Lande oder auf Adelssitzen. Die Versammlungstermine müssen künftig den Behörden gemeldet werden, ebenso müssen Mitgliederlisten eingereicht werden. An keinem Ort durften mehr als drei Logen mit jeweils höchstens 180 Mitgliedern bestehen.

So schließen sich einzelne Logen zusammen, andere Logen lösten sich auf. Das Mosersche Haus in der Landskrongasse wird nun als hauptsächlicher Logentempel benutzt. Die Zahl der Logenmitglieder verminderte sich jedoch rapide.

Die Loge „Zur Wohltätigkeit“ deren Mitglied Mozart ist schließt sich mit den Logen „Zu den drei Feuern“ und „Zur gekrönten Hoffnung“zusammen und gründen eine neue Loge „Zur neugekrönten Hoffnung“ im Januar 1786 mit 116 Mitgliedern an der Zahl.

Die Loge „Zur neugekrönten Hoffnung“ machte sich zum Hauptgesetz dem Nächsten und der Gelehrsamkeit nützlich zu sein, um sich den Schutz des Staates zu erhalten. Ein „Museum zum Gebrauch der Brüder Freymaurer“ wird gegründet, welches sowohl physikalische Instrumente als auch naturgeschichtliche Sammlungen umfasst, daneben technologische Sammlungen zur Kenntnis des Manufaktur- und Fabrikwesens. Fachliteratur sollte nicht fehlen.

Mit Sicherheit sind die umfangreichen Vorhaben nur zum Teil verwirklicht worden. Leider ist das gesamte Logenwesen ab dem Freimaurerpatent nur höchst unzulänglich dokumentiert. Und doch bleibt auch diese Loge von den Auflösungserscheinungen nicht gänzlich verschont. Doch hat diese Loge es am Besten verstanden nach einer reorganisationsphase sich ihrer freimaurerischen Ziele zu besinnen. Es handelte sich weiterhin um eine Geheimgesellschaft, vom Kaiser aber sanktioniert.

W. A. Mozart bleibt weiterhin Mitglied und denkt nicht im Geringsten sein Freimaurertum zu verleugnen, obwohl gerade er als Komponist von der Gunst des Kaisers erheblich abhängig war, vorallem was das Nationaltheater anbelangt. Mozart und der Buchdrucker Christian Friedrich Wappler verharrten als einzige treu bis ins Jahr 1791.

Anzunehmen ist dass Mozart selbst den Plan einer Geheimgesellschaft entwickelte und niederschrieb. Auch dieses Dokument ist verloren gegangen. Die Existenz des Dokuments bestätigt jedoch ein Brief Konstanze Mozarts an den verlag Breitkopf und Härtel in Leipzig vom 21. Juli 1800, in dem sie für die Biographie ihres verstorbenen Mannes einen Aufsatz über eine bestimmte Geheimgesellschaft anbietet.

In einschlägiger Mozart-Literatur wird diese sogenannten „Grotten-Gesellschaft“ meist nur als eine Mozartscher Scherzer abgetan. Man nahm sogar an, daß Mozart hier die Satzung einer Sauf- oder Freßbrüderschaft niedergeschrieben.

Mozart besucht auf seinen Pragreisen in dieser Zeit die neugeründete Loge „Wahrheit und Einigkeit zu den drei Säulen“. Er ist mit vielen ihrer Mitglieder sogar persönlich bekannt. Bei seinem letzten Pragaufenthalt im September 1791 wird ihm zu Ehren die Kantate „Die Freimaurerei“ aufgeführt. Auch während seiner Berlinreise April / Mai 1798 besucht er höchstwahrscheinlich dortige Logen. In der Widmung der „Kleinen Gigue“ KV 574 gibt Mozart sich im Stammbuch des sächsischen Hoforganisten Karl Immanuel Engel als Logenbruder zu erkennen. Sehr gerne reiste Mozart zusammen mit dem Logenbruder Fürst Karl von Lichnowsky.

Als die Französische Revolution ausbricht, kommen neue <<<<<<<<<<<<<<<<<<<< Freige chtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit, Aufklärung und istigkeit, die politische Gegebenheiten ins Rollen brachten.

Außerdem gab es auch gewisse Sympathien seitens der österreichischen Herrscher, besonders unter Leopold II, dem Nachfolger von Joseph II, die die Kritik an dem auf einem Tiefpunkt angelangten moralischen und sittlichen Verkommenheiten der französischen Politik.

Dazu kommt der Türkenkrieg 1788 bis 1790 in Wien und die damit verbundene schlechte Wirtschaftslage und soziale Unruhen. Nicht zu vergessen sind Bauernunruhen und lokalen Aufstände gegen die Grundherrschaft die sich im Gedankengut der Französischen Revolution so manche Unterstützung erwarten könnten.

Ehemalige Freimaurermitglieder sowohl aus der adeligen Gesellschaft als auch aus dem Stand des Klerus waren plötzlich erbitterte Gegener des traditionellen Freimaurer-Bundes. Man versucht den Orden noch besser zu kontrollieren bzw. alte Logen zu Instrumenten kaiserlicher Politik um zu funktionieren.

Den bestehenden Logen bleibt nichts anderes übrig, als dass sie alles vermeiden müßten, eingeschlossen den Briefverkehr, was Opposition gegen den Staat hätte mißverstanden oder als Sympathie mit gewissen Zielen der Französischen Revolution hätte aufgefaßt werden können.

Im Frühsommer 1791 arbeitet Mozart an der Zauberflöte, seinem Beitrag zur Disskusion um die Freimaurerei. Die Oper nämlich enthält für Logenkenner und Eingeweihte, unüberhörbar, Kritisches zur Maurerei : der Prinz Taomino äußert den Wunsch zum Kreis der „Eingewandten“ zugehören. Eine Reihe von Prüfungen, wie Tugend, Verschwiegenheit und Wohltätigkeit, sind erforderlich um sich letztendlich zu den Priestern des Osiris- und Isis Kultes zählen zu können. Die Rituale und Symbole dieser Einweihung gehören der Freimaurerei an. Mozart und schikaneder haben damit in keiner Weise Geheimnisse preis gegeben, sondern dem Publikum das Erlebnis einer Erläuterung ermöglicht. Den Rahmen der Symbolik bildet ein altägyptisches Mysteriums. Die Zauberflöte bedeutete eben in der gegenwärtigen politischen Situation, in der der Bund der Freimaurer großen Verdächtigungen ausgesetzt waren, ein Bekenntnis zur Freimaurerei, viel mehr ein versuch das Publikum aus dem Kreis völlig falscher Vorstellungen herauszulösen.

In Folge der Zauberflöte komponiert Mozart die Kleine Freimaurerkantate KV 623, die als Mozarts letztes in sein Erkverzeichnis eingetragenes Werk, eine Art Vermächtnis. Schikaneder, selbst Freimaurer seit 1788, war auch ist auch hier als Verfasser angegeben. Mozart schreibt diese Kantate zur Einweihung eines neuen Logentempels für die Loge „Zur neugekrönten Hoffnung“. Mozart dirigiert sie selbst am 18. November 1791, sein letzter Auftritt. Zwei Wochen später stirbt Mozart.

Mit dem neuen Logenlokal beabsichtigte man einen neuen Anfang der Maurerarbeit. Doch auch so ist der Bund nicht mehr zu retten. Nach dem Tod von Leopold II (1792), übernimmt dessen Sohn Franz den Thron der Habsburger. Er hebt die Errungenschaften der Josephinischen Zeit endgültig wieder auf und leitet ein regime der Verfolgung jeglicher freigeistigen und aufklärerischen Ideen ein.

Daraudhin stellt auch die Loge „ Zur neugekrönten Hoffnung“ am 2. Dezember 1793 mit einem Schreiben an den Kaiser ihre Arbeit ein, mit der Begründung, dass ihre Arbeit verkannt und erschwert werde., und somit überflüßig wäre.

kl


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